10 Jahre

Jetzt im Juni werden es 10 Jahre aktives und regelmäßiges Laufen bei mir.
Auch wenn es vorher immer mal wieder vergebliche Versuche gab, ernsthaft durchgezogen und brav protokolliert wird seit genau zehn Jahren.
Am 23.06.2010 bin ich abends in meine am Vortag erstandenen Mizuno Waverider geschlüpft und habe mich über die sagenhafte Distanz von 4km in einer sensationellen Zeit von 30 Minuten gequält.
Am nächsten Tag wollte ich wegen Muskelkater und Frust nie wieder laufen, am übernächsten ging es dann trotzig wieder auf die Strasse.
Den Rest kennt ihr. Zwei Jahre später kam der erste offizielle 10km-Lauf, 2012 der erste Halbmarathon, im Folgejahr der erste Marathon und schließlich sogar ein kleiner Ultramarathon in der schönen Eifel.
Begleitet wurde alles von einer sachten Umstellung der normalen Laufschuhe auf minimales Schuhwerk, heute laufe ich fast nur noch in Fivefingers.
Für 4km ziehe ich jedenfalls mittlerweile nicht mal mehr Schuhe an, das geht auch barfuß und völlig entspannt in etwa der Hälfte der Zeit.

Dass aus diesen ersten zaghaften Bemühungen mal so eine Leidenschaft wird, das hätte ich damals nie gedacht. Ich wollte einfach nur etwas mehr Ausdauer zurück, war ein wenig in Sorge um meine allgemeine Kondition. Dank viel körperlicher Arbeit war ich eigentlich immer sehr fit, der Berufwechsel an den Schreibtisch hat das fast zunichte gemacht, da musste eine Änderung im Leben her.

Heute kann ich hier ehrlich schreiben, dass mir die Lauferei nur Gutes gebracht hat.
Sowohl körperlich als auch mental. Klar, es gab Rückschläge, der blöde Ermüdungsbruch, Stürze, viel Schmerzen, Erschöpfung und sogar völlig ausser Kontrolle geratenes Übertraining.
Aber das alles verblasst gegenüber dem allgemeinen Wohlfühlen, der gewonnenen Stärke und Grundausdauer, der Ausgeglichenheit und auch dem Stolz und Selbstbewustsein so einiges als Spätstarter erreicht zu haben.
Nicht zu vergessen die vielen Kontakte und Bekanntschaften, ob über die Blogosphäre, das Fediverse oder auch bei den vielen Veranstaltungen und natürlich beim parkrun. Niemanden von euch hätte ich je kennengelernt und vor allem, von niemanden hätte ich jemals was gelernt. In der Laufszene wird wirklich nicht mit Tipps, Hinweisen und Ratschlägen gegeizt. Das hat mir bisher wahrscheinlich so einige Katastrophen erspart.
Obwohl ich immer noch ein notorischer Alleine-Läufer bin, hat mich das Laufen doch tatsächlich nachträglich etwas sozialisiert.

10 Jahre also, in denen doch recht viel passiert ist.
Dieses kleine Jubiläumsjahr wollte ich mit neuen Bestzeiten garnieren, mit neuen Herausforderungen auffüllen und überhaupt musste irgendwas Besonderes her, ein Meilenstein der mich wieder mal weiterbringt.
Dass es allerdings so "besonders" werden würde, das konnte im Januar noch niemand ahnen.
Statt Wettkampfehrgeiz drehe ich einsame Runden. Statt nervös an irgendwelchen Startlinien herumzulungern, gehe ich einfach vor die Haustür und renne los.
Zu den üblichen "Pflicht"-Lieblingswettbewerben, hatte ich dieses Jahr noch so einige andere sehr reizvolle Veranstaltungen rausgesucht und mich teilweise bereits angemeldet.
Alles verpufft, alles abgesagt.
Also einfach nur Laufen um zu laufen, nicht um Wettkampfpräsenz zu zeigen.
So richtig planvolles Training mache ich ja eh nie, aber jetzt steht nicht mal mehr mein typischer Trainings-Hinweis wie zum Beispiel "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf" in meinem Kalender.
Und das alles macht mir überhaupt nichts, hab ich ja auch schon ein paarmal beschrieben.
Im Gegenteil, mir wird grade mal wieder noch bewusster, dass es eben diese einsamen Runden sind, die mir so sehr gefallen. Eintauchen in den eigenen Rhythmus, spontane Entscheidungen über Richtungswechsel auf der Strecke, bummelig oder schnell, Wald, Stadt oder Rheinufer, ganz einfach jederzeit so laufen wie es mir gefällt.
Das ist eine ganz besondere Art von Freiheit, die ich sehr geniesse.
Für mich sein und rennen.

So wird mein Jubiläumsjahr also, trotz abgesagter Veranstaltungen und verpuffter möglicher Bestzeitenplatzierungen, dennoch zu einem Ereignis, dass ich wahrscheinlich nie vergessen werde.
So kanns kommen.

Bild/Foto

Selbstverständlich gibt es trotzdem etliche besondere Ereignisse in diesem verrückten ersten Halbjahr, aber die haben nichts mit Laufen zu tun.
Einige von euch haben allerdings bei einem in diversen Kommentaren aufgetauchten Thema mehrfach nachgefragt, also sehr gerne ein paar Sätze zu Otto.

Winter – Frühl… – Sommer

Wer seine Laufrunden draussen dreht, bekommt den Wechsel der Jahreszeiten in voller Pracht um die Ohren gehauen, mit allem was dazu gehört. Und zu jeder Jahreszeit hat man früher oder später bock auf die Nächste mit all den Eigenarten. Ich hechele zum Beispiel nach der dunklen Winterzeit immer wieder dem warmen Frühling entgegen. Leider ist der Frühling hier im Rheinland die letzten Jahre total kurz geworden und geht superschnell in Sommer über. Eben noch Bodenfrost und plötzlich brennende Sonne. Also statt Frühling schnell an Sommer gewöhnen.
Wir haben heute den letzten Maitag und mir kommt es jetzt schon vor wie Hochsommer. Es wird teilweise richtig heiß, die Wiesen vertrocknen, es regnet viel(!) zu wenig, dazu immer wieder dieser Wind, das alles tut der Pflanzenwelt nicht gut.
Trotzdem, ich geniesse mal wieder alles, Herbst und Winter kommen ja auch irgendwann zuverlässig zurück.
Jede Laufrunde hat kleine Highlights. Ob der Beuys-Kopf mit Maske oder ausgebüxte Lämmer oder plötzliche Einsamkeit auf dem Asphalt, mit Tempo durch den Wald fliegen oder noch schneller über die Rheinbrücken knallen oder auch mal gemächlich auf Trampelpfaden am Rhein entlang trotten.
Als notorischer Alleine-Läufer hab ich die Freiheit und das Privileg einfach so laufen zu können, wie es mir passt. Und das geniesse ich wirklich sehr, zu jeder Jahreszeit.

Bitte sehr, einige gesammelte Eindrücke der letzten vier Wochen:

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Bild/Foto

Den nehm ich dann auch noch mit

Dann also doch noch ein weiterer virtueller Lauf. Der Wings for life World Run ist ja ziemlich bekannt und beliebt. Normalerweise gibts massenhaft Veranstaltungen in allen großen Städten rund um den Globus, dieses Jahr hieß es für alle alleine mit App zu rennen.
Der virtuelle Countdown beginnt in Deutschland um Punkt 13 Uhr, dann einfach loslaufen und nach einer halben Stunde startet der (virtuelle) Besenwagen, das „Catcher Car“, von dem die Läufer Stück für Stück eingeholt werden und dann raus sind. Es gibt also keine klassische Ziellinie, sondern die Teilnehmer sollen so weit rennen wie möglich.
Soweit so gut. Ich hatte mich relativ spontan angemeldet, einfach weil ich eh Lust auf einen langen Lauf hatte, aber mich daher auch erst sehr kurzfristig mit den Voraussetzungen auseinander gesetzt. Ansonsten, null Vorbereitung für sowas. Im Gegenteil, die Woche hatte es vom Umfang her in sich, durch einige recht schnelle Waldläufe.

Punkt 1: Anmeldegebühren als Spende, check, gerne.
Punkt 2: Smartphone mitschleppen, da steh ich ja nicht so drauf.
Punkt 3: Kopfhörer mitschleppen um die „Audio Experience“ zu geniessen. Genau mein Ding …
Platz für den technischen Schnickschnack fand sich in der Laufweste, etwas Wasser musste ja sicherheitshalber mit auf den Weg, das Wetter meinte es plötzlich wieder sehr gut.

Den Countdown erklang in meiner App erstaunlicherweise nicht, aber spontan um 13 Uhr auf „Start“ drücken, das bekomm sogar ich hin.
Nach jedem Kilometer wird man über Kopfhörer mit der „Audio Experience“ beglückt, einerseits mit der Kilometerangabe und dann immer nochmal mit einem „tollen Spruch“. Das ging mir aber leider sehr schnell so sehr auf die Nerven, dass der Stöpsel für eine längere Zeit nicht mehr im Ohr war.
Eine bestimmte Strecke hatte ich nicht geplant, bin einfach (mal wieder viel zu schnell) drauf los, wollte irgendwie grob meine große Rheinrunde drehen und dann eventuell noch ein paar Runden vor der Haustür machen, bis mich der Besenwagen einsackt.
Die Runde wurde ausufernder und nachdem ich bei Kilometer 25 den Ohrstöpsel wieder reingedrückt hatte, wusste ich dass es etwa 27-28km werden könnten. Ich gebe zu, wahrscheinlich bedingt durch den Umfang in der ganzen Woche, wurden die letzten paar Kilometer schon schwerlich und etwas langsamer, über den halben Liter Wasser war ich jedenfalls sehr glücklich. Die letzten 1000 Meter meldet sich das Catcher Car immer öfter und man wird ganz gut über die Ziellinie geschickt.
Irgendwie hab ich es dann ernsthaft geschafft ca. 500 Meter vor meiner Haustür vom Catcher Car eingeholt zu werden, also wirklich eine perfekte Punktlandung.
Laut App bin ich 27,59km weit gekommen (nach meiner Laufuhr 28,75km) und hab knappe 2h18m gebraucht, damit bin ich sehr zufrieden.
Jetzt ist es aber wirklich erstmal Schluss mit virtuellen Läufen.

Das offizielle Ergebnis:
Bild/Foto

Die Route:
Bild/Foto

Grüne Strecke …
Bild/Foto

… unendliche Weiten …
Bild/Foto

… und wenig Wasser im Rhein
Bild/Foto

Einfach immer weiter laufen

Heute wäre der Düsseldorf Marathon dran gewesen. Mit Kaiserwetter. Die Stadt hätte gebrodelt, es wäre eine echt große Party geworden. Ich hatte mir eine neue Bestzeit vorgenommen.
Aber nun ja, wie alle anderen ist auch diese Großveranstaltung abgesagt worden.
Statt dessen gab es die Möglichkeit den Marathon virtuell zu rennen, so ähnlich wie der Ostermarathon neulich, App mit einem Portal verbinden und einfach irgendwo laufen. Auch in Etappen, alles wird zusammengerechnet.
Gut gemeint, aber Ansporn gleich Null bei mir muss ich gestehen. Auch deshalb weil man sich einfach für alle mögliche Läufe registrieren kann, diese dann parallel läuft und es hagelt virtuelle Medaillen per Email, aber alles ohne Wertung.
Das ist nett, aber auch blöd. Ich konnte also mit einem einzigen 22km Lauf, die virtuelle Medaille für einen 5km-Lauf, 10km und Halbmarathon ergattern. Macht irgendwie keinen Sinn. Wieso hab ich trotzdem gemacht? Reine Neugier.
Meine Ausbeute der letzten Tage:
Bild/Foto

Und sonst so? Ich laufe halt einfach weiter. Und verstehe das Gejammere immer noch nicht, von Läufern die jetzt ohne Wettkämpfe auf der Suche nach dem Sinn des Laufens sind. Na, es geht ums Laufen! Entweder du hast Lust dazu oder eben nicht!
Laufe deine Strecken, laufe auf Zeit, laufe nach Lust und Laune, laufe und geniess das Wetter, laufe gemütlich, laufe neue Strecken, lauf einen Wettkampf mit dir selbst, lauf doch einfach. So sollte es sein.

Mit viel Genuss war ich die letzten Tage entweder am Rhein oder jetzt auch endlich wieder im Wald unterwegs. Und es macht einfach Spaß, der Frühling ist schon fast ein Sommer, durch Homeoffice ist meine Zeitplanung viel entspannter und wir haben seit einigen Wochen einen supertollen Hund der mich in Sachen Bewegung auch noch zusätzlich auf Trab hält. Dazu später mal mehr.

Nach wie vor ist es am wichtigsten gesund zu bleiben. Und zu erkennen dass wir diese wirre Zeit zum Entschleunigen nutzen können und sollten.
Also, lauft einfach weiter und bleibt gesund.

Ein überraschender Regenschauer neulich!
Bild/Foto

Von dieser Brücke mache ich immer die Rheinfotos:
Bild/Foto

Es gibt schlechtere Laufstrecken 🙂
Bild/Foto

Statt Marathon, renne ich einfach einen flotten Halbmarathon im Wald.
Bild/Foto

Etappenlauferei zu Ostern

Am Gründonnerstag hatte ich unterwegs auf meiner Laufrunde die Idee, die anstehenden sonnigen Feiertage einfach mal täglich zu laufen. Ohne bestimmtes Ziel, einfach nur die freie Zeit nutzen und draussen sein.
Kaum wieder zuhause angekommen und wie es der Zufall so will, finde ich eine Mail von Elke in meinem Postfach, eine Einladung zum Ostermarathon2020. Marathon? Ostern 2020?
Wie soll das denn in der jetzigen Situation funktionieren? Ganz einfach, jeder läuft für sich selbst und lädt seine Zeiten in das Timing-Portal. Damit nicht genug, die Marathondistanz darf innerhalb von vier Tagen (Karfreitag bis Ostermontag) in Etappen gelaufen werden. Also war weder Vorbereitung noch Taperingzeit nötig, es sprach einfach gar nichts gegen eine spontane Anmeldung, das alles passte ja wunderbar zu meinem eh schon getroffenen Vorhaben. Und ein paar Euro für den Spendentopf gab es selbstverständlich auch, das ganze war eine Veranstaltung für einen guten Zweck.

Zum „Marathonstart“ am Karfreitag wurden die ersten 14,5km unkompliziert hier in der Nachbarschaft als Rundenlauf runtergerannt. Das ist eigentlich eine charmant Strecke weil man ohne nachzudenken Tempo machen kann und keine Ampelstopps oder so hat. Aber Rundenlaufen langweilt mich auch schnell.
Der zweite Tag wurde daher etwas ausladender, die 17km-Strecke am Rhein sollte es werden, also ab dafür. Sehr ungewohnt war allerdings das Hammerwetter und die plötzliche Wärme, eigentlich nur 22°C, aber irgendwie gefühlte 30°C. Ich gebe zu, am Ende wurde es eine sehr durstige Angelegenheit.
Deshalb bin ich Ostersonntag sehr früh raus, angekündigt war ein weiterer knallsonniger Tag, statt Hitze konnte ich auf 14,3km die wunderbare morgendliche Frische mitnehmen. Genial!
Und wer bis hierher mitgerechnet hat, wird bemerken dass ich die Marathondistanz längst im Sack hatte.
Trotzdem weiter, es galt noch ein Feld im Timing-Portal zu füllen und überhaupt war da ja noch mein eigenes Vorhaben.
Ostermontag wurde schließlich mit weiteren 15km wieder ein überraschend schneller Lauf, vom starken Wind getragen, gegen Böen kämpfend, aber dank der plötzlich sehr niedrigen Temperaturen mit einer Leichtigkeit die ich nicht erwartet hatte. Einfach ein wirklich großer Spaß!
Als Ergebnis lande ich beim Ostermarathon, mit gesammelten 61km, bei einer (sehr!) theoretischen Marathonzeit von 03:06.43
Der Spaß war es auf jeden Fall wert!

Bild/Foto

Mein eigenes Vorhaben konnte ich mit 78,5km abschliessen. Besonders zufrieden macht mich bei der Aktion, dass ich keinen Durchhänger hatte. Ganz im Gegenteil, alle Läufe waren eher schnell und stabil vom Tempo. Normalerweise laufe ich etwa jeden zweiten Tag, dafür allerdings längere Strecken.
So passt es aber scheinbar auch ganz gut, könnte ich ja mal wiederholen.
Bleibt gesund, haltet Abstand und lauft an der frischen Luft. Es lohnt sich immer!

Bild/Foto

Bild/Foto

So sieht übrigens die Ziellinie des Düsseldorf Marathons aus, wenn kein Marathon ist:
Bild/Foto

Abstand

Statt der geplanten und durchweg abgesagten Frühjahrs-Wettkämpfe und Genussläufe, laufe ich jetzt einfach meine einsamen Runden. Mal am Rhein, mal in der Nachbarschaft, mal im Wald, losgelöst von allem, entspannt und sehr zufrieden. Mit Abstand zu anderen und mit Abstand zu irgendwelchen Wunschzeiten. Ehrlich gesagt geniesse ich das sogar. Ich renne wenn ich mag, ich schlurfe wenn mir danach ist. Mit dem Wind, gegen den Wind, auf Asphalt, auf Wiesen oder am wieder auftauchenden Rheinstrand. Völlig egal, es steht nichts an, es geht einfach nur ums Laufen.

Und nun auch noch fast sommerliche Temperaturen und ein knallblauer Himmel, traumhaft!
Meine heutige Strecke ging zuerst mitten durch die relativ verwaiste Innenstadt, dann über die Rheinkniebrücke und einige Kilometer dicht am Rhein entlang. Der Wasserstand ist wieder niedrig, teilweise konnte ich direkt am Wasser laufen. In Lörick dann Kehrtwende und zurück zur Theodor-Heuss-Brücke, durch den Rheinpark und ab nach Hause. Das erste mal seit der Verletzung am kleinen Zeh hatte ich es gewagt endlich mal wieder etwas länger und schneller barfuss zu laufen, einfach toll! Das muss dringend wieder öfter auf den Plan.
Ich laufe also einfach immer weiter, solltet ihr auch machen und bleibt bitte gesund!

Bild/Foto
Dicht am Rhein entlang.

Bild/Foto
Die Menschen halten Abstand …

Bild/Foto
… die Schafe auch.

Bild/Foto
So sieht der Rhein grade aus. Flach.

Realitätscheck

Hier im Rheinland werden nun die ersten Laufveranstaltungen wegen Corona abgesagt und das ist bestimmt erst der Anfang. Die Veranstalter machen es sich ganz sicher nicht leicht und für Meckerei hab ich kein Verständnis. Ja klar, es wurde darauf hin trainiert und vielleicht gab es hohe Erwartungen und überhaupt "das ist mein jährlicher Traditionslauf" blabla. Macht euch mal locker Leute, wir machen das als Hobby, wer gesund bleibt (und das sollte immer oberstes Ziel sein), kann auch in den nächsten Jahren noch Medaillen verdienen.
Da ich eh keinen Trainingsplan hab und einfach aus Spaß an Wettbewerben teilnehme, finde ich es zwar einerseits schade wenn jetzt was ausfällt, aber drehe andererseits einfach weiterhin meine einsamen Runden, an denen ich nicht minder Spaß hab.

Und zur Zeit gibts auch endlich wieder was zu sehen, die Tage werden merklich länger, meine Feierabendläufe sind nicht mehr durchgehend stockfinster und der Rhein hat Hochwasser! Nach den letzten zwei Jahren Trockenheit ist das ein echt ungewohnter Anblick.

März 2019:
Bild/Foto

Dazu mal im Vergleich der Sommer 2019:
Bild/Foto

Normalerweise laufe ich sehr gerne eher gemütlich direkt unten am Wasser auf den Trampelpfaden, nunja, die sind jetzt abgesoffen. Also hab ich zur Zeit ca. 99% befestigte Wege, die mich nicht grade dazu bewegen langsam zu laufen. Tempotraining leicht gemacht, es passiert einfach.

Und da der "Winter" ja offenbar jetzt wirklich vorbei ist: ich habs mit den Shorts durchgezogen, die langen Tights wurden nicht gebraucht. Es gab aber auch keine so richtig kalten frostigen Tage, mir wurde es also leicht gemacht.  
Stattdessen war meine gute leichte Regenjacke, die ich seit sechs Jahren besitze, noch nie so viel im Einsatz wie in den letzten vier Wochen.
Irgendwas ist ja immer 🙂

Bild/Foto

Bleibt alle gesund und dreht weiterhin zufrieden eure Runden an der frischen Luft.

Mit dem Regen um die Wette fliegen

Nach den schönen Vorfrühlingstagen kam Sturm und Regen. Und die beiden sind immer noch da. Teilweise recht heftig sogar. Am Rhein hat es wieder einige Bäume zersemmelt und der Boden ist so mit Wasser übersättigt, dass einige meiner Lieblingspfade derzeit nicht laufbar sind.
Vorteil Rheinland, es ist die ganze Zeit recht warm. Bei 12°C ist mir Regen völlig egal, das Wasser ist aus den Fivefingers so schnell wieder raus wie es reingekommen ist, durch Pfützen rennen macht mir einfach Spaß. Und oben rum reicht trotz Platzregen meistens eine leicht wasserabweisende Jacke, Hauptsache nicht auskühlen durch den starken Wind.
Winter hatten wir bisher nicht und ständig Sturm beim Laufen nervt irgendwann.
Aber ist eben Wetter, muss so genommen werden wie es kommt, können wir (zum Glück) nicht beeinflussen, nur uns selbst daran anpassen.
Also einfach raus und rennen. Nicht nachdenken, nicht schimpfen, sondern laufen und das Beste daraus machen.
Ich hatte heute jedenfalls echt großen Spaß, wenn auch die ersten 10km frontal mit Gegenwind sehr anstrengend waren, danach allerdings wurde mit Rückenwind (aber auch brachialem Regen) regelrecht geflogen. Besonders der Streckenteil über die Rheinbrücke war fast apokalyptisch, es wurde immer dunkler und die Stadt verwandelte sich zu einer verwaschenen Sil­hou­et­te.
Ich liebe es einfach draussen zu laufen! Nur so erlebt man die Jahreszeiten mit all ihren Spinnereien.
Es waren übrigens weit mehr wetterfeste Läufer unterwegs als ich vorab vermutet hatte. Schön zu sehen.

Image/photo

Image/photo

Image/photo

Image/photo

Und weiter gehts!

Heute konnte mich nichts mehr halten.
Nach zwölf Tage Pause, den kleinen Zeh pfleglich umsorgend, musste ich heute wieder laufen. Das Frühlingswetter brüllte, der Zeh schwieg, also rein in die Fivefingers, Shorts und Shirt an und vorsichtig losgetrabt.
Die ersten zwei Kilometer schmerzte plötzlich ständig irgendwas am linken Fuß, entsprechend gurkig und holperig war ich anfangs unterwegs. Mir wurde aber schnell klar, dass es einfach nur die "stillgelegten" Fußmuskeln und Sehnen waren, die nun irgendwie mal ganz fix auftauen mussten.

Image/photo

Und siehe da, manchmal laufen sich Schmerzen eben doch raus, so war nach etwa 2,5km nur noch ein leichtes dumpfes Gemotze der Sehnen und Muskeln zu spüren, aber kein Schmerz. Ich hatte meinen Rhythmus und mein Wohlfühltempo wieder.
Geplant war ein ruhiger und vorsichtiger Lauf von maximal 5-6km. Das wundervolle Wetter hat mir aber "leider" einen Strich durch die Rechnung gemacht, es wurden fast 17km.
Auch das zeigt, dass der Zeh vermutlich nicht gebrochen war, sonst wäre diese Distanz vermutlich nach 12 Tagen nicht möglich gewesen.
Wie auch immer, die Pause war richtig und gut, und hat mir offenbar nicht geschadet.

Das hier war übrigens der Übeltäter:
Image/photo
Und siehe da, es war gar kein Beton, sondern Hartgummi. Wieso ich allerdings so dicht daran vorbei laufen musste, erschließt sich mir im Tageslicht überhaupt nicht…

Ansonsten: Frühling! Yeah! 🙂

Image/photo

Image/photo

Buddies

Der Januar ist einfach so stillschweigend und routiniert vorbeigegangen, ohne besondere Ereignisse, aber mit vielen Kilometern.
Unter der Woche im Dunkeln laufen, am Wochenende im Tageslicht, mal schnell, mal noch schneller, aber tatsächlich auch mal langsam, im Regen, im Sturm, alles dabei. So mag ich das.
Das milde Rheinland macht es einem aber auch wirklich einfach auch in der dunklen Jahreszeit ohne Nachzudenken rauszugehen und loszulaufen. So richtig mit dicken Winterklamotten war ich noch nicht unterwegs, die ungeliebten Tights versauern ungenutzt in der Schublade, oft reicht das was bereits im November und Dezember ausreichend war. Manchmal dünne Handschuhe, aber das war’s dann auch.
Viel wichtiger ist allerdings, sich vor dem Loslaufen zu vergewissern, dass der Akku der Stirnlampe satt aufgeladen ist. Im Dunkeln laufen macht mir grundsätzlich Spaß, aber es gibt so Ecken und Pfade, da ist es einfach stockfinster, ohne Lampe muss man schon sehr genau auf die Füße achten. Vorausgesetzt die Lampe leuchtet auch vernünftig.
Wenn aber nur müdes Akku-Restlicht aus der guten Leuchte kommt, dann könnte es auf halber Strecke passieren dass der linke Fuß beim Kurve schneiden und in schnellem Tempo einen Betonpoller mitnimmt (was mit Fivefingers besonders unangenehm ist) und dadurch der kleine Zeh arg strapaziert wird. Der tapfere Läufer rennt dann natürlich (fluchend) auch noch die restlichen 12 Kilometer nach Hause und begutachtet erst dann den Schaden. Vorher war es ja eh zu dunkel.
Die gute Nachricht: die Schuhe sind heile geblieben!
Dann sollten aber auch schnell die üblichen Sofortmaßnahmen (PECH) folgen, damit der Zeh sich erstmal wieder beruhigt.
Naja, vielleicht hatte ich noch ziemliches Glück, keine Ahnung ob gebrochen oder "nur" arg gestaucht, beim Arzt war ich nicht damit. Die Schwellung brauchte schon ein paar Tage um zurückzugehen, leichte Blaufärbung ist auch jetzt noch vorhanden, aber der Schmerz hielt und hält sich ziemlich in Grenzen.
Ich bin natürlich äusserst vernünftig und mache seit einer Woche Laufpause, der Kleine soll sich mal beruhigen. Mindestens eine weitere Woche geb ich ihm noch, mal schauen was dann ist.
So richtig schlimm ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ich hab zwar einiges geplant, aber das nächste Rennen ist noch weit genug weg. Ich sehe das ganze jetzt einfach mal als normale Erholungszeit, bin ja ansonsten überhaupt nicht eingeschränkt.
Mein kleiner Zeh hat dafür jetzt einen besten Kumpel dicht an seiner Seite, der stützt und hält ihn mit einem "Buddy-Tape".
Was man nicht so alles lernt …

Image/photo